Im Frühjahr 2005 wurde uns ein Schwanenbaby in die Praxis gebracht. Es war ca. eine Woche alt und war von seinen Eltern nicht nur verstoßen, sondern zudem schwer im Kopfbereich verletzt worden.

 

In den ersten Tagen sah es gar nicht gut aus um den kleinen Kerl. Aber offensichtlich war schlussendlich der Lebenswille doch stark genug.

 

Nach mühevoller Zwangsernährung über ca. zwei Wochen fing der Kleine selbstständig zu fressen an. Gleichzeitig legte er ein enormes Wachstum an den Tag, so dass seine Behausung - ein großer Käfig innerhalb der Praxisräume - bald zu klein wurde.

 

Also wurde im Garten ein großes Gehege gebaut, inklusive eines ca. 1000 Liter fassenden Gartenteichs. Im Lauf der Zeit wurde aber selbst dieses Gehege für den immer größer werdenden Elvis zu klein, der eingebaute Teich mutierte damit zur Badewanne.

 

Also wurde der gesamte Garten zum Gehege ernannt. Dort hielt sich Elvis am liebsten zusammen mit den drei Hunden des Hauses, die sich mittlerweile mit dem Schwan angefreundet hatten, auf.

 

 

 

 

Im Spätsommer sollte Elvis ausgewildert werden. Dies gestaltete sich als äußerst schwierig. Nachdem uns der damalige Leiter des Schwetzinger Schlossparks zunächst verbindlich zugesagt hatte, dass wir Mitte September den Schwan im Bereich des Sees auf dem Schlossparkgelände auswildern könnten, machte er ohne Angabe von Gründen zwei Tage vor der geplanten Auswilderungsaktion einen Rückzieher. Zahllose Anrufe in sämtlichen Tiergehegen und Zoos im Umkreis von über 100 Kilometern brachten uns ausnahmslos Absagen ein, meist ohne wirkliche Begründung.

 

 

Nun war die Jahreszeit aber schon so weit fortgeschritten, dass an ein Auswildern in freier Natur auch nicht mehr zu denken war. Also überwinterte Elvis im praxiseigenen Garten.

 

Auswilderungsaktionen in den nächsten Jahren scheiterten leider immer wieder kläglich, da Elvis den Garten mittlerweile als sein Zuhause annektiert hatte und alles, was außerhalb dieses Bereichs lag, panische Angst in ihm auslöste.

 

 

 

 

Im Alter von fünf Jahren war Elvis im Frühjahr unter dem Einfluss seiner Hormone mittlerweile derart dominant und kampfeslustig geworden, dass es nur noch mit geeigneter Ausrüstung (Lederjacke, Handschuhe usw.) möglich war, sich in den Garten zu begeben.

 

Auch die Hunde, die in den ersten drei Jahren für Elvis kein Problem darstellten, wurden von ihm attackiert und mussten daher zu seinem Schutz von ihm ferngehalten werden.

 

 

 

 

Da diese Situation sowohl für Elvis selbst als auch für jeden, der sich zu seiner Versorgung in seine Nähe wagte zu einer fast unerträglichen Stress- und Gefahrenfrage wurde, wagten wir im Juni 2010 einen erneuten Auswilderungsversuch. Die Gelegenheit war günstig, da wir zu dieser Zeit einen in freier Wildbahn aufgewachsenen weiblichen Schwan, der nach einer ausgeheilten Verletzung ebenfalls ausgewildert werden sollte, zur Verfügung hatten.

 

Also fuhren wir mit den beiden an eine für Schwäne bekanntermaßen oft frequentierte Stelle am Neckar: Zuerst das Schwanenmädchen aus dem Hänger, dann Elvis. Und siehe da: Elvis aus dem Anhänger, ein kurzer Rundumblick, ein heftiges Aufplustern … und ab in den Neckar, der Schwanendame hinterher. Was Hormone so alles bewirken können!

 

Wir haben Elvis noch des Öfteren am Neckar besucht. Er ließ sich noch füttern, hielt aber immer einen Sicherheitsabstand.

 

Im Laufe der Zeit kam er immer seltener an die besagte Stelle des Neckars. Irgendwann haben wir die Besuche gänzlich eingestellt. Wir vermissen ihn nach der langen gemeinsamen Zeit, sind uns aber sicher, dass er in der freien Natur - seiner Bestimmung gemäß - ein ausgefülltes Leben genießen kann.